Aktensignatur
AA 2026 / 42
Stand
7. November 2026
06:00 Uhr MEZ
Umfang
6 Abschnitte
4 Länder
Bearbeitung
Redaktion Alpenraum
Dossier Nr. 42
Nachrichten
aus dem Alpenraum
Pässe, Konzessionen, Gletscherbilanzen und Gemeindebudgets. Was in dieser Woche in Österreich, der Schweiz, in Bayern und in Südtirol entschieden wurde, und was bis zum ersten Saisonwochenende offen bleibt.

Inhalt dieser Ausgabe
Seite 1 bis 6Die Lage am 7. November
Am 3. November hat der Lawinenwarndienst Tirol den täglichen Lagebericht wieder aufgenommen, zwei Wochen früher als im Vorjahr. Oberhalb von 1.800 Metern liegt in den Nordalpen eine geschlossene Schneedecke. Im Wallis melden die Messstationen auf 2.500 Metern zwischen 40 und 70 Zentimetern, am Alpenhauptkamm deutlich weniger. Sechs Passstraßen sind für den Verkehr gesperrt, darunter Timmelsjoch und Stilfser Joch. Beide bleiben nach Angaben der Landesregierungen bis mindestens Mitte Dezember zu.
Für die Gemeinden beginnt damit die teuerste Phase des Jahres. Der Winterdienst wird nach gefahrenen Kilometern und Bereitschaftsstunden abgerechnet, nicht nach Wetterlage. Ein milder Dezember senkt die Kosten kaum, weil die Fahrzeuge und das Streugut vorgehalten werden müssen. In der Schweiz kommt hinzu, dass mehrere Kantone ihre Beiträge an die Gemeinden für das kommende Jahr eingefroren haben.
Kennzahlen der Woche
7. November 2026
| Messgröße | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Schneehöhe Weissfluhjoch, 2.540 m | 58 cm | SLF |
| Schneehöhe Zugspitze, 2.962 m | 71 cm | DWD |
| Lawinenwarnstufe Nordtirol | 2 von 5 | LWD Tirol |
| Für den Verkehr gesperrte Passstraßen | 6 | Landesregierungen |
| Seilbahnen im Winterbetrieb | 112 von 1.408 | Seilbahnverbände |
Der Winter beginnt mit einer Rechnung
Schneeräumen ist kommunale Pflicht und selten versichert. Die Gemeinde Sölden veranschlagt für den Winterdienst 2026/27 rund 2,1 Millionen Euro, etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfallen 780.000 Euro auf Personal, 610.000 Euro auf Fahrzeuge und Treibstoff, der Rest auf Streumittel und Deponiegebühren für den Altschnee. Ähnliche Zahlen melden St. Anton und Ischgl. In der Schweiz rechnen die Kantone Graubünden und Wallis mit einem Anstieg von vier bis sechs Prozent.
Die Kosten steigen aus zwei Gründen, die wenig mit der Schneemenge zu tun haben. Erstens sind die Löhne für Fahrer und Mechaniker in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen, weil die Gemeinden mit dem Baugewerbe und den Seilbahnen um dieselben Leute konkurrieren. Zweitens verlangen die Versicherungen für Fahrzeuge im Hochgebirge höhere Prämien. Ein Räumfahrzeug mit Schneefräse kostet zwischen 320.000 und 420.000 Euro, die Lieferzeit liegt derzeit bei 14 Monaten.
Für die kleineren Orte ist das ein Problem eigener Art. Sie können sich keine eigene Werkstatt leisten und schließen sich mit Nachbargemeinden zusammen. Im Unterengadin hat sich ein Zweckverband aus sechs Gemeinden gebildet, der Fahrzeuge und Personal teilt. Der Vertrag läuft über acht Jahre und sieht vor, dass jede Gemeinde ihre Prioritätenliste bis zum 30. September meldet. Wer später kommt, wartet.

Vier Länder, vier Verfahren
Wer im Alpenraum eine Straße räumt, haftet nach unterschiedlichen Regeln. Die Tabelle fasst den Stand zusammen, den die Redaktion bei den zuständigen Stellen abgefragt hat. Sie ersetzt keine Rechtsauskunft.
| Land | Zuständig | Frist | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Österreich | Straßenerhalter, § 93 StVO | Räumung bis 6 Uhr | Anrainer räumen Gehsteige, Gemeinden kontrollieren. |
| Schweiz | Kanton für Kantonsstraßen | kantonal geregelt | Gemeinden tragen den Winterdienst auf ihren Straßen selbst. |
| Bayern | Staatliches Bauamt und Kommunen | Räumung ab 6 Uhr | Streupflicht auf gefährlichen Stellen, nicht durchgehend. |
| Südtirol | Landesagentur für Straßendienst | Räumung bis 7 Uhr | Gemeinden melden Sperren an die Agentur, nicht umgekehrt. |
Die Fristen beziehen sich auf Werktage. An Sonn- und Feiertagen gelten in mehreren Kantonen und Gemeinden abweichende Regelungen.
Termine bis zum Jahreswechsel
- 01.12.
- Die Lawinenwarndienste in Tirol, Salzburg und Südtirol veröffentlichen wieder täglich.
- 13.12.
- Fahrplanwechsel bei den Schweizerischen Bundesbahnen und den ÖBB.
- 15.12.
- Meldefrist für Schäden aus dem Hochwasser vom August bei den Landesregierungen.
- 20.12.
- Letzter Termin für Saisonkonzessionen, die im Jänner in Betrieb gehen.
- 31.12.
- Frist für die Zweckbindung der Seilbahnförderung im laufenden Budgetjahr.
Begriffe der Woche
Almauftrieb
Der Termin, an dem das Vieh auf die Hochweide geht. Er hängt an der Schneelage, nicht am Kalender, und verschiebt sich in höheren Lagen seit Jahren nach hinten.
Gletscherbilanz
Differenz zwischen Schneezuwachs und Abschmelzung eines Gletschers in Millimetern Wasseräquivalent. Ein positiver Wert ist im Alpenraum seit Jahrzehnten die Ausnahme.
Wildbachverbauung
Bauliche Sicherung von Gerinnen gegen Muren und Hochwasser. Zuständig sind in Österreich die Landesstellen, in der Schweiz die Kantone, in Südtirol die Landesagentur für Bevölkerungsschutz.
Saisonbetrieb
Betrieb mit Öffnung im Winter, im Sommer oder in beiden Halbjahren. Die Zahl der Betriebstage entscheidet, ob eine Gondelbahn als Infrastruktur oder als Gewerbe gilt.
Wer was bearbeitet
Die Redaktion ist in sechs Ressorts geteilt. Jedes Ressort führt seine eigenen Quellen und Dokumente, damit eine Zahl aus dem Verkehr nicht versehentlich im Tourismus landet. Anfragen zu Rohdaten, Karten oder Transkripten nimmt die Redaktion über das Kontaktformular entgegen.
Politik und Alpenkonvention
Landtage, Gemeindestuben, Berggebietsprotokoll
Tourismus und Seilbahnen
Konzessionen, Saisonzeiten, Bettenkontingente
Klima und Kryosphäre
Gletscherbilanz, Permafrost, Lawinenwarndienste
Verkehr und Transit
Passstraßen, Bahnachsen, Maut und Nachtfahrverbote
Energie und Netze
Wasserkraft, Pumpspeicher, Verteilnetze in Tälern
Gemeinden und Daseinsvorsorge
Wohnen, Arztstellen, Schule, Post und Buslinien
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