Ausgabe 42 / 2026

Samstag, 07. November 2026

AlpenAktuell

Dossier / Wirtschaft

Wer den Winter bezahlt

Beschneiung gilt als Versicherung gegen milde Winter. Die Rechnung dafür zahlen Gemeinden, Wasserrechtsbehörden und Stromkunden. Ein Blick in die Voranschläge von sieben Bergorten zeigt, wie eng die Kalkulation geworden ist.

Von der Redaktion Alpenraum7. November 2026Lesezeit etwa 10 Minuten
Archivaufnahme einer Hochspannungsleitung über einem Alpental
Leitungstrasse im Talboden. Beschneiungsanlagen hängen an derselben Mittelspannung wie die Ortsnetze.

In sieben Gemeinden zwischen Montafon und Pustertal hat die Redaktion die Winterdienst- und Beschneiungsbudgets der kommenden Saison eingesehen. Sechs von ihnen planen mit höheren Ausgaben als 2025/26. Drei verschieben Investitionen in Speicherbecken um ein Jahr, weil die Baukosten seit der Ausschreibung um mehr als ein Fünftel gestiegen sind. Keine der Gemeinden rechnet damit, dass die Einnahmen aus Nächtigungen im gleichen Maß steigen.

Der Streit um das Wasser

Beschneiung braucht Wasser zu einem Zeitpunkt, an dem die Bäche im Hochgebirge wenig führen. Deshalb bauen die Bergbahnen Speicherteiche. Ein Becken mit 60.000 Kubikmetern fasst genug Wasser für rund 15 Hektar Piste und kostet nach Angaben zweier Betreiber zwischen 2,2 und 2,6 Millionen Euro. Genehmigt wird es wasserrechtlich, befristet und mit Auflagen zur Restwassermenge.

Die Verfahren dauern in Österreich im Schnitt 18 Monate, in Südtirol 14, in der Schweiz je nach Kanton zwischen 12 und 30 Monaten. Wer im Februar mit dem Bau beginnen will, muss den Antrag also spätestens im Sommer des Vorjahres einreichen. Mehrere Gemeinden haben diesen Termin verpasst und beschneien die kommende Saison aus dem Trinkwassernetz. Das ist erlaubt, aber teuer und politisch heikel.

Was eine Anlage wirklich kostet

Die Anschaffung ist der kleinere Teil. Teurer sind Betrieb, Wartung und die Energie, die in kalten, trockenen Nächten gebraucht wird. Die folgende Übersicht beruht auf Herstellerangaben und den Jahresabrechnungen von drei Betreibern. Die Werte sind Richtwerte, keine Angebote.

PostenWertBezug
Schneekanone, mittlere Leistung28.000 bis 45.000 Europro Stück
Wasserleitung, 1.000 Meter180.000 EuroRichtwert
Speicherteich, 60.000 m³2,4 Mio. EuroBauwerk
Strom für Beschneiung0,9 bis 1,6 kWhpro m³ Schnee
Wasserbedarf je Hektar3.000 bis 4.500 m³pro Saison

Ein Hektar beschneite Piste verbraucht pro Saison zwischen 3.000 und 4.500 Kubikmetern Wasser. Bei einem Preis von 1,40 Euro je Kubikmeter, wie ihn einzelne Gemeinden intern verrechnen, sind das bis zu 6.300 Euro. Für einen Betrieb mit 40 Hektar summiert sich das auf einen Betrag, der in der Bilanz kleiner aussieht als die Personalkosten, aber stärker schwankt.

Die Rechnung der Gemeinde

Die Gemeinde trägt nicht die Kanonen, sondern die Folgen: Parkplätze, Zufahrten, Wasseranschlüsse, Abwasser und den Winterdienst auf den Gemeindestraßen. In einem Ort mit 2.400 Einwohnern und 5.100 Gästebetten machen diese Posten rund 11 Prozent des ordentlichen Budgets aus. Steigt die Schneefallgrenze, sinken die Räumkosten, aber auch die Einnahmen aus dem Skibetrieb. Die Gemeinde gewinnt also nicht, wenn der Winter ausfällt.

Drei der sieben Orte haben für 2027 eine Erhöhung der Kurtaxe beantragt, zwei wollen die Gebühren für die Bergbahnen auf dem Gemeindegebiet anheben. In einem Fall ist der Beschluss der Gemeindevertretung im Oktober an einer Stimme gescheitert. Der Antrag soll im Dezember erneut vorgelegt werden.

Was bis Dezember entschieden wird

Die wichtigsten Entscheidungen fallen nicht im Winter, sondern in den nächsten sechs Wochen. Bis zum 20. Dezember müssen die Saisonkonzessionen vorliegen, die im Jänner in Betrieb gehen. Bis zum 31. Dezember muss die Zweckbindung der Seilbahnförderung im laufenden Budgetjahr festgeschrieben sein. Und bis zum Jahresende entscheiden die Wasserrechtsbehörden über elf Anträge auf Entnahme aus Bächen, die als Laichgewässer ausgewiesen sind.

Wer die Beschlüsse verfolgen will, findet sie in den öffentlichen Sitzungen der Gemeindevertretungen. Die Protokolle werden in den meisten Orten innerhalb von zwei Wochen ins Netz gestellt. Die Redaktion wertet sie für die nächste Ausgabe aus und bittet um Hinweise aus den Gemeinden.

Wie wir gearbeitet haben

Grundlage sind die Voranschläge 2026 und 2027 von sieben Gemeinden, die Jahresabschlüsse von vier Bergbahnbetreibern, die Wasserrechtsbescheide der zuständigen Landesstellen sowie Gespräche mit acht Personen aus Kommunen und Betreibern. Zwei Gemeinden wollten die Zahlen nicht bestätigen. Ihre Angaben sind im Text als solche gekennzeichnet. Die vollständigen Dokumente liegen der Redaktion vor; aus urheberrechtlichen Gründen können sie nicht veröffentlicht werden. Auskünfte dazu erteilt die Redaktion über das Kontaktformular.

Eine Übersicht der verwendeten Fachbegriffe steht im Glossar. Fragen zur Methode beantwortet die Seite Über uns.